Vincent aus der Popstar-Reihe von Norma Banzi

Interview mit Vincent Gable (Fünf Fragen, fünf Antworten)

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Vincent aus der Popstar-Reihe von www.banzini.de

Ich bin total aufgeregt. Heute darf ich mit Vincent Gable sprechen, meiner zentralen Figur aus der Popstar-Reihe. Während ich schon in seinem Raucherzimmer sitze, muss er noch in seinem Büro nebenan telefonieren. Der Butler Bruno hat mir einen Milchkaffee serviert und mir eine Dannemann Moods herausgelegt. Das ist ein Zigarillo mit Filter. Ja, ja, ich weiß, das ist eine Rauchware für Warmduscher. Wenn ich könnte, wie ich wollte, … Aber lassen wir das. Für Vincent liegt eine schmale Romeo y Julieta bereit. Seit er wegen seiner Leukämie dem Rauchen (fast) abgeschworen hat, gönnt er sich nur noch selten eine Ausnahme.

Endlich betritt Vincent das Zimmer und sein charmantes Lächeln lässt mich dahinschmelzen. Er setzt sich mir gegenüber auf einen Sessel und bietet mir Feuer an. Kurz berühre ich seine kräftige Hand, während ich die Dannemann anzünde. Nachdem auch die Romeo y Julieta brennt, aktiviert Vincent den Dunstabzug und unser Rauch wird durch einen Aktivkohlefilter gepumpt. Ich beglückwünsche mich zu meiner Idee, hochpreisige Küchendunstfilter in die Raucherräume meiner Romanfiguren einbauen zu lassen. Die sind auch nicht so laut wie das preiswerte Modell in meiner eigenen Küche. Fantasiegeld in Romanen gibt sich eben leichter aus als das echte in der Realität.

Ich: „Hallo Vincent! Ich freue mich, dass du Zeit für mich erübrigen konntest.“

Vincent: „Für dich immer, meine Liebe. Ohne dich würde es mich nicht geben.“

Ich: „Stimmt irgendwie! Einige meiner Leserinnen und Leser wünschen sich Figurendatenbögen für die Charas aus der Popstar-Reihe. Aber ich weiß noch nicht, wie ich sie anlegen soll und ob ich mir gerade bei Personen wie dir nicht die Finger wundschreiben würde. Denn du bist ja eine wiederkehrende Figur und hast schon viel erlebt. Deshalb habe ich mich entschlossen, dir fünf Fragen zu stellen.“

Vincent: „Schieß los!“

Ich werde ein bisschen rot als ich sage: „Die erste Frage hasse ich selbst, wenn sie mir gestellt wird, aber du als Anwalt hast bestimmt keine Probleme damit: Also: Bitte stell dich selbst kurz vor!“

Vincent lächelt amüsiert. „Das ist genau genommen keine Frage, sondern eine Bitte. Ich bin Vincent Gable, Anwalt für Vertrags- und Urheberrecht, Vater von vier aufgeweckten Kindern, glücklicher Ehemann von Marc Stone und außerdem romantisch involviert mit der bezaubernden Marina und den beiden coolen Ex-Navy SEALs Orlando und Marius. Geboren und aufgewachsen bin ich in Chicago, wo ich auch zur Uni gegangen bin und mir meine ersten Lorbeeren als Anwalt verdiente. Ich hatte das Glück, ein paar Hollywood-Stars bei ihren juristischen Problemen zur Seite stehen zu dürfen und mein Vermögen wuchs mit der Bedeutung meiner Fälle.

Aufgrund meiner Wurzeln kann ich auf Italienisch fluchen, sonst verstehe ich kein Wort dieser bestimmt sehr schönen Sprache. Meine Mutter brachte mir, meinen Brüder und Schwestern das Kochen bei und ich habe einen Fundus italienischer Rezepte. Beim Kochen kann ich mich wunderbar entspannen. In meiner Jugend spielte ich Football, mittlerweile ziehe ich es vor, auf den Golfplatz zu gehen …“

Ich: „Und Bettsport!“, labert mein Mund, bevor sich mein Gehirn einschaltet. Peinlich! Zum Glück grinst Vincent und nimmt mir diese Indiskretion nicht übel.

Vincent zwinkert mir zu: „Bettsport gehört zu einer meiner liebsten körperlichen Betätigungen. Jedenfalls bietet mir der Reichtum die Möglichkeit, mir einen Personal-Trainer zu engagieren. Der achtet darauf, dass ich nicht zu viele Pfunde wegen des guten, italienischen Essens ansetze. Mein Katerchen, Marc, überredete mich schon vor Jahren dazu, Tango zu lernen. Die Tanzlehrer kommen einmal die Woche. Außerdem schwimme ich jeden Tag. Der eigene Pool macht das so einfach …“

Ich: „Ja, ja, mach mich nur neidisch.“

Vincent: „Du hättest ja auch über arme Romanfiguren schreiben können.“

Ich: „Nope! Ich liebe es, meine Romanfiguren im Luxus leben zu lassen. Die Recherche macht ungeheuer Spaß.“

Vincents Gesicht verdüstert sich ein bisschen. Er saugt an seinem Zigarillo und sagt dann leise: „Luxus schützt nicht vor Unglück und Tragödien.“

Ich: „Ja, da habe ich dir einiges zugemutet.“

Vincent zieht eine Braue hoch. „Nicht nur mir, Frau Autorin.“

Ich ziehe noch einmal an meiner Dannemann und stecke sie dann in so einen Aschenbecher mit kleinen Fächern, in denen die Zigarren von allein ausgehen.

Ich: „Darling, wenn es nach mir ginge, dann wäre in deinem und dem Leben deiner Lieben immer nur alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber dann hätte ich keine Leser und dein Leben wäre schon nach dem ersten Roman in der Schublade verschwunden. Ich liebe euch alle, … na ja, außer die ganz bösen Bösewichte …“

Vincent schmunzelt. „Es soll ja Autoren geben, die ihre Bösewichter mehr mögen und interessanter finden als ihre Heldinnen und Helden …“

Ich: „Himmel nein! Dazu gehöre ich ganz sicher nicht. … Also ich mag natürlich Dimitri. So ein russischer Mafiaboss ist nicht zimperlich bei der Durchsetzung seiner Ziele. Aber Dimitri hat einen Moralkodex. Das war mir sehr wichtig.“

Vincent: „Möchtest du noch einen Milchkaffee oder einen Aperitif?“

Ich: „Das, was du gerne zum Aperitif trinkst.“

Vincent: „Also Rotwein!“ Er greift zum Telefon, das auf dem Tisch steht und bestellt einen Wein, den ich nicht kenne. Ist bestimmt ein guter.

Ich: „Meine zweite Frage ist indiskret und bezieht sich auf deine sexuelle Orientierung …“

Vincent: „Bestimmte Vorkämpfer für LGBT-Rechte würden sich strikt weigern, eine solche Frage zu beantworten oder sich selbst einzuordnen. Aber ich bin kein Bürgerrechtler …“

Ich frage überrascht: „Bist du nicht?“

Vincent: „Ist das deine dritte Frage?“

Ich: „Nein, nur ein Nachhaken des Verständnisses wegen.“

Vincent: „Man hat schon öfter versucht, mich, Marc und Marina vor einen Karren zu spannen. Wir geben nur ganz selten direkte Statements zu Tagesereignissen ab und lassen uns keine Worte in den Mund legen.“

Ich: „Bei Wikipedia steht, dass du ein einer polyamoren Gemeinschaft lebst. Du hast das niemals angefochten.“

Vincent zuckt mit den Schultern. „Um deine Frage zu beantworten: Ich dachte immer, ich bin stockschwul. Marina war die erste Frau, mit der ich schlief. Aber bei Gruppensexpartys, bei denen sich Männer mit Frauen vergnügten, habe ich auch nicht weggeschaut. Manchmal machte mich der Anblick sogar an. Ich bin zu 98 Prozent schwul und zu 2 Prozent hetero.“

Es klopft an der Tür. Bruno tritt in den Raum und serviert eine bereits geöffnete Flasche Rotwein, um die ein weißes Tuch gewickelt ist. Offenbar vertraute Vincent seinem Butler, denn er verzichtet auf das ganze Weinprobierbrimborium. Als Bruno wieder verschwunden ist, prostet mir Vincent zu. Wow, der Wein mundet! Er ist frisch und leicht und trotzdem reichhaltig an Aromen.

„Schmeckt wunderbar“, sage ich und bin froh, dass Vincent mich nicht fragt, wonach der Wein meiner Meinung nach schmeckt. Bei solchen Fragen versage ich immer kläglich. Wenn andere Zitrusfrüchte aus einem Wein herausschmecken, denke ich immer: Häh? Ich erzähle es Vincent und er schmunzelt amüsiert.

Ich: „Jetzt kommt die Frage, vor der ich am meisten Angst habe …“

Vincent: „Was war dein bisher schrecklichster Tag?“

Ich: „Äh ja …“

Vincent: „Verrate mir deinen, dann verrate ich dir vielleicht meinen.“

Ich: „Das ist vielleicht eine verdammt schwere Frage. Ich bin ja nun auch schon einige Jahre auf der Welt. Als mich als Kind eine Wespe gestochen hat und nicht nur meine Hand, sondern auch mein Unterarm auf das Doppelte angeschwollen sind, das war schon ziemlich blöd …“

Vincent: „Da hast du mir doch einiges Mehr zugemutet, Frau Autorin!“

Ich: „Aber ich bin nur eine langweilige, deutsche Autorin, du bist ein faszinierender Romanheld. Romanfiguren müssen Schlimmes erleben.“

Vincent grollt: „Wer sagt das?“

Ich: „Ohne dramaturgische Tiefen in einem Buch kann es darin keine Höhepunkte geben.“

Vincent: „Ach komm mir doch nicht so!“

Ich schrecke zusammen: „Wir können auch gleich zur nächsten Frage übergehen.“

Vincent fährt sich durch die dichten schwarzen Haare mit den silbernen Strähnen. „Sorry!“, entschuldigt er sich.

Ich: „Ich kann deinen Aufruhr ja verstehen.“

Vincent: „Die Sache mit Jamie hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe das nur überstanden, weil ich für Marc stark sein wollte.“

Ich schaue in mein Weinglas und weiß gerade, dass alle meine Fans jetzt mit Vincent leiden und mir am liebsten einen Tritt in den Allerwertesten versetzen würden.

Vincent kippt seinen Wein herunter und gießt sich ein zweites Glas ein. Als aufmerksamer Gastgeber füllt er auch mein Glas nach.

„Welches ist dein Lieblingsgericht“, frage ich in die Stille.

„Pizza, Pizza, Pizza“, sagt Vincent und wirkt schon wieder entspannter. “Ich bereite sie gerne zu und ich esse sie auch gerne.”

„Amerikanischer oder italienischer Art?“

„Amerikanisch, italienisch, französisch, völlig egal!“

Ich wundere mich: „Französische Pizza?“

„Elsässischer Flammkuchen, Pissaldière und so weiter.“

Ich nicke, weil ich nicht zugeben möchte, dass ich nicht weiß, was eine Pissaldière ist, wahrscheinlich eine Art belegter Teig vom Blech. Zum Glück werden wir von Marc unterbrochen, der ins Zimmer kommt, sich hinter Vincent stellt, seine Hände um ihn schlingt und ihn auf den Kopf küsst.

„Kommt ihr runter, kochen?“

Ich springe auf und sage: „Klar!

(Vincent aus der Popstar-Reihe)

 

4 Kommentare

  1. *seufz* Danke für den kleinen Einblick ❤
    Ja, auch ich hätte dir am liebsten in den Allerwertesten getreten und muss jedesmal heulen wenn ich „Wir halten dich Bruder“ lese. Ich wünsche mir immer noch du hättest für Marc ein anderes Schicksal finden können.
    Ganz liebe Grüße Brigitte ❤

  2. Dein Muserich hat manchmal eine ganz schön fiese Ader. Aber es passt zur Geschichte und deine Protagonisten sind daran gewachsen und zu dem geworden was sie jetzt sind. Klar wäre es mir lieber gewesen wenn Vincent, Marc und Jamie glücklich und zufrieden miteinander leben würden, aber dann wäre Marina nicht da und Marc wäre kein Vater.
    Ich lese deine Bücher immer wieder gerne, obwohl ich genau weiß das bei mir die Tränen fließen.
    Danke für viele wunderbare Lesestunden.
    LG Brigitte ❤

    1. Taschentücher rüberschieb …
      Ich freue mich, dir diese wunderbaren Lesestunden ermöglicht zu haben.
      Liebe Grüße <3
      Norma

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