Vadim aus dem Roman "Der Kostja-Clan"

Erbsen polken mit Vadim

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(Der Kostja-Clan – Teil 1)

Ich sitze in der Schlossküche und polke gemeinsam mit Dimitris persönlichem Butler Vadim Erbsen aus ihren Schoten. Ich kenne das aus meiner Kindheit und es macht mir Spaß. Vadim ist mir gegenüber nicht unfreundlich oder brummig. Er hat mir sogar ein Glas Rotwein eingegossen, der hervorragend schmeckt. Der Wein stammt aus eigenem Anbau. Natürlich! Wie konnte ich vergessen, dass Dimitri auch ein eigenes kleines Weingut in Australien besitzt?

„Wir waren noch nicht oft da“, flüstert Vadim mit seiner rauen Stimme. Mit seinen geschädigten Stimmbändern hört er sich wirklich an, als hätte jemand sie mit einem Reibeisen bearbeitet.

Vadim möchte mir kein Interview geben. „In mir ruhen zu viele Geheimnisse“, lehnte er meine Bitte ab. Aber ich darf Zeit mit ihm verbringen. Neben mir steht ein Teller mit gerösteten Weißbrotscheiben, auf die Vadim verschiedene Pasten gestrichen hat, die er selbst hergestellt hat. Sie schmecken großartig. Hoffentlich kann ich nachher noch das essen, was der Koch gerade zubereitet. Das duftet nämlich auch toll. Die Schlossküche ist riesengroß und der Koch arbeitet im modernen Teil, während Vadim und ich im historisch anmutenden sitzen. Der Koch sieht aus wie eine jüngere Version von Andrej. Ich nehme also an, dass es sich um einen seiner Brüder handelt. Seinen Namen habe ich aber leider noch nicht erfahren. Er kommt kurz vorbei und stellt mir ein Schüsselchen mit Soße hin, in das ich mein Brot stippen kann. Wow! Woher weiß er, wie sehr ich Soße liebe? Vielleicht glaubt er, dass alle Deutschen verrückt nach Soße sind.

„Wo überall auf der Welt hat Dimitri denn Besitzungen?“, frage ich Vadim und hoffe darauf, dass er mir diese Frage beantwortet.

Vadim: „Überall!“

Ich: „Überall?“

Vadim: „Auf jedem Kontinent mindestens.“

Ich: „Mal angenommen, ich würde auf einem Globus blind mit dem Finger irgendwo hinpieken und treffe damit zufällig auf ein Land. Hätte Dimitri dort ein Haus, eine Wohnung oder sonst einen Besitz?“

Vadim: „Dort oder in einem Land daneben.“

Ich: „Warum? So viele Häuser kann man ja nun wirklich nicht bewohnen und ich weiß, dass Dimitri und Saschas Hauptwohnsitze sich in Ottawa, New York, London, Paris, Berlin und auf der Solaris befinden. Nix mit Indien, Südamerika, Afrika, Australien oder Asien.“

Jetzt schaut mich Vadim mitleidig an, als würde ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Peinlich! Ich stippe erst einmal eines der Brote in die Soße und erlebe eine Geschmacksexplosion im Mund. Der Wein dazu mundet wunderbar.

Ich: „Okay, ich habe nachgedacht. Möglicherweise besitzt Dimitri an all diesen Orten so eine Art luxuriöse Unterschlüpfe, entweder selbst oder über diskrete Treuhänder. Falls er und Sascha diskret verschwinden müssen, wären das tolle Verstecke. Manchmal kauft er sich einen Besitz auch aus Investmentgründen.“

Vadim gibt mir einen Daumen hoch und ich bin stolz auf mich. Ich polke noch ein paar Erbsenschoten aus, bis der Mallorquiner vorbeischaut. Ups, wir sind jetzt verabredet. Jaume ist extra von Mallorca angereist, um sich meinem Interview zu stellen. Aus den Augenwinkeln sehe ich plötzlich, wie der Koch Jaume einen schwärmerischen Blick zuwirft. Armer Kerl! Der Mallorquiner ist nicht schwul oder bi. Jaume selbst bemerkt davon nichts. Er drückt Vadim freundschaftlich die Schulter und bittet ihn, den Wein und meine leckeren Snacks in sein Arbeitszimmer zu bringen.

Jaume: „Wollen wir?“

Ich strahle ihn an und folge ihm. Er zeigt mir ein kleines Bad, in dem ich mir die Hände waschen kann. Dann folge ich ihm in das besagte Arbeitszimmer.

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