Datenblatt Finn und Sean Callahan / Drei Fragen, drei Antworten

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Drei Fragen, drei Antworten:

(Der Kostja-Clan – Teil 1)

Ich: „Hallo Finn, hallo Sean! Ihr seid eineiige Zwillinge, aber es ist leicht, euch auseinander zu halten, einer von euch hat lange Haare, der andere kurze. Wer ist jetzt wer?“

Finns linker Mundwinkel hebt sich ein wenig, als sei er amüsiert. „Ist das schon deine erste Frage?“

Ich: „Nein, nur Smalltalk, um euch meinen Leserinnen und Lesern vorzustellen!“

Finn: „Du bist die Autorin, also sag du es ihnen.“

Ich: „Äh ja. Ehrlich gesagt, verwechselte ich eure Namen beim Schreiben gelegentlich. Glücklicherweise habe ich eine aufmerksame Lektorin.“

Finn kichert leise, Sean schaut aus dem Fenster, als ginge ihn das alles gar nix an. Die beiden sitzen auf der Couch nebeneinander, aber sie berühren sich nicht. Wahrscheinlich wollen sie nichts von sich preisgeben. Es war Sascha, der sie in diesen Salon geschoben hat, damit sie an meinem Interview ‚Drei Fragen, drei Antworten teilnehmen. Ich schaue heimlich auf meinen Spickzettel und sage dann:

„Finn, du trägst deine Haare kurz, dein Bruder seine lang.“

Dafür ernte ich ein knappes Nicken von Finn. Ich greife mir eine mit Vanillecreme gefüllte Blätterteigtasche, keine Ahnung, wie die heißt, und beiße herzhaft hinein. Himmlisch! Erwähnte ich schon, wie gut die Verpflegung auf Dimitris Schloss in Frankreich ist? Ich muss wohl ein genießerisches Geräusch von mir gegeben haben, denn jetzt schaut auch Sean ein bisschen amüsiert in meine Richtung. Kurz entschlossen entscheide ich mich, ihnen andere als die üblichen Fragen zu stellen, die sie mir wahrscheinlich sowieso nicht beantworten werden.

Ich: „Nun meine erste Frage: Welche ist eure Lieblingswaffe?“

Wenn die beiden überrascht sind, lassen sie es sich nicht anmerken. Sie flüstern miteinander und schließlich antwortet Finn: „Angelhaken.“

Uh! Ich habe Angelhaken noch nie als Waffe betrachtet, aber meine Autorenfantasie gibt mir verschiedene Möglichkeiten ein, was man mit den Dingern alles anstellen kann. Gruselig. Sean wirkt seltsam zufrieden, als mich ein sichtbarer Schauer durchläuft.

Ich: „Scherzkekse!“

Jetzt lächelt er mich doch tatsächlich an. Dabei wirkt er nur ein bisschen sadistisch und überwiegend heiter. Ich möchte ihnen die Stimmung nicht verderben, aber zwei Fragen werde ich ihnen noch stellen müssen. Da fällt mir eine ein:

„Welches Bild, das ihr erschaffen habt, mögt ihr am liebsten?“

Beide schauen sich ratlos an. Finn zückt sein Handy und sie blättern eine Weile in ihrem Bildordner. Ich würde ihnen dabei ja zu gerne über die Schultern sehen, aber sie haben mich dazu nicht eingeladen.

Finn steht auf und zeigt mir drei von ihren Bildern, ein abfotografiertes Tattoo, das sie für Falk gestaltet haben, eine heiße Zeichnung von Vincent und eine Skizze vom schlafenden Angelo. Ich stiere auf das Bild von Vincent und muss mir Luft zufächeln, so warm wird mir. Da zwinkert mir Finn doch tatsächlich zu und ich werde ein bisschen rot. Andererseits bin ich auch stolz auf mich. Meine Romanfiguren sind einfach total sexy. Finn setzt sich zurück auf seinen Platz neben Sean. Wenn die beiden sich wundern, dass ich bei ihnen von meinen üblichen Fragen abweiche, lassen sie es sich nicht anmerken. Die Blätterteigrolle ruft nach mir und ich esse sie ganz auf. Ob ich mir noch eine zweite gönne? Sean greift sich seinen Zeichenblock und beginnt, mich zu skizzieren. Romanfigur zeichnet verfressene Autorin. Peinlich eigentlich, aber das Desserteilchen ist so lecker, dass ich mir einfach noch ein zweites gönnen muss. Finn angelt sich einen Keks von der Etagere.

„Was war bisher der schönste Tag in eurem Leben?“, frage ich mit vollem Mund.

Beide runzeln die Stirn.

„Als ich einmal durchgeschlafen habe und keine Alpträume hatte“, wispert Finn nach einer Weile. Sean zuckt mit den Schultern.

Ich: „Du weißt es nicht?“

Finn flüstert seinem Bruder etwas ins Ohr und als dieser nickt, sagt er: „Schöne Tage sind für ihn, wenn er keine Schmerzen beim Pinkeln hat.“

Uh! Ich schäme mich ein bisschen, dass ich dem armen Kerl chronische Schmerzen bei Wasserlassen in die Biografie geschrieben habe. Am liebsten würde ich ihn tröstend umarmen, aber das wäre für mich gesundheitsgefährdend. Die Zwillinge mögen es nicht, berührt zu werden und reagieren sehr heftig darauf.

Ich: „Danke für eure Antworten.“

Finn: „Du hast uns geschont.“

Na ja, nachdem, was ich euch im Buch zumute. Aber was euch passiert ist, war vor meiner Zeit. Ich lernte euch schon so kennen.“

„Kannst du Seanis Schmerzen wegschreiben?“, will Finn wissen und sein Blick ist fast flehend.

Ich: „So einfach ist das leider nicht. Ich schreibe keine Bücher, in denen Wunderheilungen vorkommen. Aber ein bisschen helfen kann ich ihm vielleicht schon. Das muss ich noch genau durchdenken, damit es in die Storyline passt.“

„Danke“, flüstert Sean und er tut mir so unendlich leid. Ich verstecke mich hinter meiner Teetasse. Zum Glück schlendert jetzt Sascha in den Raum und setzt sich zu den Zwillingen. Er und ich plaudern über Gott und die Welt, glücklicherweise nicht über mein Buch. Dabei verputzen wir alle Leckereien, die auf der Etagere liegen. Zum Glück essen Finn und Sean auch noch etwas, sonst würde ich aus dem Salon kugeln.

Datenblatt:

(Bildquelle: Depositphotos) Das Foto zeigt Finn. Sean trägt seine Haare lang.
  • Name: Callahan, Finn und Sean (eineiige Zwillinge)
  • Alter: 25 (in: Der Kostja-Clan – Teil 1)
  • Reihe: Popstar-Reihe
  • Erscheinungsbild: Groß, schlank, zarte Hände, blaugraue Augen, weißblond
  • Besondere Interessen: Foltermethoden und -Werkzeuge, Kunst und Grafikdesign
  • Eltern und Familie:
    Vormund: Dimitri Kostja
    Vertrauter: Alexej Revic, genannt Sascha
    Finn und Sean haben noch Verwandte in Irland, der Kontakt ist abgebrochen.
    Respektsperson außerhalb der Familie: Orlando Ramirez

Der russische Mafiaboss Kurgan ermordet die Eltern der Zwillinge auf einer Urlaubsreise, als diese zehn Jahre alt sind. Vier Jahre hält er sie als Sexsklaven gefangen, bis Dimitri Kostja sie bei einer Racheaktion zufällig findet und befreit.

Dimitri wird ihr Vormund und zieht sie wie seine Neffen auf, obwohl sie kaum Gefühle zeigen und er ihnen das eine oder andere Mal misstraut. Ihr treuer Fürsprecher ist Sascha, Dimitris geliebter leiblicher Neffe, dem dieser praktisch nichts abschlagen kann. Sascha, Finn und Sean verbringen ihre Oberschulzeit gemeinsam auf einem Schweizer Internat und danach bei Dimitri, bis die Zwillinge sich entschließen, Kunst und Grafikdesign in Berlin zu studieren.

Sean und Finn wissen nicht, ob sie hetero, schwul oder bisexuell sind. Sie sehnen sich nach Erotik, aber ihre schrecklichen Erinnerungen lähmen ihr Liebesleben. Gelegentlich wenden sie sich einander zu.

Außer Sascha und Dimitri darf sie niemand berühren. Sie haben schon Leuten die Finger gebrochen oder verstaucht, die es versuchten. Ihre Körper und Seelen sind voller Narben.

Finn und Sean schauen sich im Laufe der Zeit verschiedene Kampftechniken bei den Leibwächtern von Dimitri ab und kombinieren verschiedene Elemente zu einem eigenen Stil.

Finn ist die etwas dominantere Persönlichkeit von beiden. Sean wurde in der Gefangenschaft schwerer verletzt.

4 Kommentare

  1. Gibt es da nicht diesen Arzt mit den italienischen Vorfahren der auch so ein kleines bischen was von einem Teddy hat?

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