Boris aus dem Kostja-Clan

Datenblatt Boris Godunow / Drei Fragen, drei Antworten

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Drei Fragen, drei Antworten:

(Der Kostja-Clan – Teil 1)

Ich treffe Boris, den Chefleibwächter von Dimitri, bei den Pferdeställen, wo er eines der Pferde striegelt, was dieses erkennbar genießt. Er trägt Cowboystiefel und einen Overall. Wie ein Reiter sieht er nicht aus. Offenbar errät er, was ich denke, denn er sagt: „Ich reite nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, aber Pferde zu pflegen, entspannt mich.“

Ich: „Äh ja, ich bleibe lieber ein bisschen auf Abstand. Pferde können riechen, dass ich Angst vor ihnen habe.“

Boris lacht und ich denke wieder einmal, dass er mit seinem Bass auch ein Opernsänger hätte werden können.

Boris: „Möchtest du mir jetzt deine drei Fragen stellen?“

Ich: „Was war bisher der schönste Tag in deinem Leben, Boris?“

Boris: „Hm … Schöne Tage … Ich sage dir, was mein bisher schönstes Ereignis war: Als Dimitri mich aus dem Eisloch rettete, in das ich als Jugendlicher eingebrochen bin. Ich hatte nie wieder so viel Angst wie damals. Viele Jahre später geriet ich in noch gefährlichere Situationen, aber als Erwachsener und trainierte Sicherheitskraft konnte ich meine Angst kontrollieren.“

Ich: „Ich kann mir vorstellen, wie schrecklich das ist, die Eiseskälte, die Hilflosigkeit …“

Boris nickt.

Ich: „Soll ich raten, welches dein bisher schrecklichster Moment war?“

Boris grinst amüsiert. „Bitte!“

Ich: „Als du in das Eisloch gefallen bist.“

Boris gibt mir ein Daumen hoch. In einem Eimer in der Nähe sehe ich Äpfel und Möhren. Ich schnappe mir einen Apfel und blicke Boris fragend an, der zustimmend nickt. Mit weit ausgestrecktem Arm trete ich an das Pferd heran und gebe ihm den Apfel auf der flachen Hand. Das Vieh nimmt ihn sich vorsichtig, aber ich traue ihm trotzdem nicht und gehe wieder auf Sicherheitsabstand.

Ich: „Was bereust du am meisten in deinem Leben, Boris?“

Boris: „Ich habe über diese Frage nachgedacht, denn ich wusste ja, was auf mich zukommt. Aber ob du es mir glaubst oder nicht: Ich bereue gar nichts in meinem Leben. Ja, an verschiedenen Stellen hätte ich mir die Ereignisse anders gewünscht. Niemand mag es, unschuldig im Gefängnis zu sitzen. Aber das hat ja nichts mit Reue zu tun. Mein Gewissen ist rein. Ich töte keine Unschuldigen, Tiere oder Kinder.“

Ich: „Als Eingeweihter eines Mafiabosses hast du bestimmt viel erlebt …“

Boris unterbricht mich: „Das geht dich alles gar nichts an!“

Ich: „Ich bin die Autorin.“

„Trotzdem!“, grummelt Boris. Er atmet einmal tief durch. „Wenn Dimitri sagt, er ist kein Schlächter, redet er es nicht nur so daher. Er meint das wirklich so und lebt es. Als er noch Bordelle betrieb, flehten die Nutten ihn regelrecht an, für seine Häuser arbeiten zu dürfen. Bei uns wurden sie auch nicht verhätschelt und mussten Profit erwirtschaften. Aber unsere Mädchen waren gesünder, sahen besser aus, wurden besser behandelt und verdienten mehr.“

Ich: „Was passierte mit ihnen, als Boris die Bordelle … abstieß?“

Boris: „Es heißt: Drei Fragen, drei Antworten.“

Ich: „Och komm! Sei nicht so.“

Boris: „Sagen wir so … Dimitri besann ich auf eine Art Selbstverwaltung und kassierte ordentlich dabei.“

Ich: „Wie eine Art Bordell-Genossenschaft?“

Boris: „Kann schon sein …“

Ich: „Cool!“

Ich will Boris noch fragen, ob er auch eine persönliche Bitte an mich äußern möchte, aber sein Handy klingelt in diesem Moment. Er geht ran und muss weg. Ein weibliche Stallfachkraft oder wie auch immer man das nennt, kümmert sich um seinen Gaul. Ich schlendere durch die Stallungen und spiele noch eine Weile mit den Katzen, die dort leben.

Datenblatt:

Bildquelle: Depositphotos
  • Name: Boris Godunow
  • Alter: 45 (in: Der Kostja-Clan – Teil 1)
  • Reihe: Popstar-Reihe
  • Erscheinungsbild: Bärtig, eher düster, massig
  • Besonderheit: Bemühte sich in seiner Jugend um ein legales Leben.
  • Familie:
    Eltern: Vater und Mutter leben noch, es besteht kein Kontakt mehr.
    Geschwister: 1 Bruder, 1 Schwester
    Freundin: Natasha

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Boris und Dimitri stammen aus demselben Dorf und besuchen dieselbe Schule, gehören aber unterschiedlichen Kreisen an. Während Dimitri früh anfängt, das karge Einkommen seiner Familie mit kriminellen Geschäften aufzubessern, geht Boris regelmäßig zur Schule und lernte fleißig.

Als Jugendlicher bricht Boris auf einem zugefrorenen See in ein Eisloch ein, woraus Dimitri ihn rettet.

Nach der Schule studiert Boris in Moskau Ingenieurswesen und arbeitet eine zeitlang als Brückenbauer, bis eine von ihm verantwortete Brücke zusammenbricht und er deswegen für Jahre wegen fahrlässiger Tötung im Gefängnis landet. Seine Familie distanziert sich deshalb von ihm. Im Knast überlebt er nur, weil er sich einer Bande anschließt. Als er entlassen wird, strotzt er nur so von Muskeln und trägt eine Reihe von Tattoos auf dem Körper.

Von dem Gedanken beseelt, sich bei den Leuten zu rächen, die den Baupfusch verantworteten und ihm in die Schuhe schoben, schließt sich Boris Dimitri an, der ihm zuerst nicht ganz traut, weil Boris ein Spitzel eines anderen Bandenbosses sein könnte.

Später steigt Boris von einer einfachen Sicherheitskraft in Dimitris Diensten zu einem Gardisten auf und wird schließlich zu dessen Chefleibwächter.

Boris ist mit Natasha liiert, dem Dienstmädchen, das Dimitri auf alle seine Reisen mitnimmt.

 

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