Datenblatt Andrej Hemlin / Drei Fragen, drei Antworten

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Drei Fragen, drei Antworten:

(Der Kostja-Clan – Teil 1)

Ich treffe Dimitris Leibwächter Andrej im schlosseigenen Gym. Der freundlich und hell gestaltete Raum hat alles, was das Sportlerherz höher schlagen lässt. Hier kann man Ausdauer und Muskeln an supertollen Geräten trainieren. Außerdem gibt es eine kleine Bar, die mit Erfrischungsgetränken und Obst bestückt ist. Wahrscheinlich findet sich im Kühlschrank auch Joghurt oder was immer muskulöse Kerle wie Andrej so zu sich zu nehmen pflegen. Die Bar ist nicht besetzt. Andrej fragt mich, was ich trinken möchte und zeigt auf den Kühlschrank mit der Glasscheibe. Ich entscheide mich für einen Eistee, klassisch natürlich, nicht so `ne Früchteplörre. Andrej greift sich selbst einen Isodrink.

Auf dem Laufband müht sich Andrejs Freund Pierre ab. Ich winke kurz zu ihm rüber und er winkt zurück. Andrej zieht sich eine Jacke an. Wahrscheinlich will er sich in seinem Muskelshirt nicht erkälten. Schade! Seine Armmuskeln können sich wirklich sehen lassen. Lecker, lecker, lecker!

Wir setzen uns an die Theke.

Ich: „Vielen Dank, dass du angeboten hast, mir eine Stunde als Personaltrainer zu fungieren, um die Kalorien abzutrainieren, die ich mir in den letzten Tagen angefuttert habe. Ich hätte gerne angenommen, aber dann müsste ich mit grässlichem Muskelkater nach Hamburg zurück fliegen.“

Andrej schmunzelt. „Sport ist jetzt nicht so deine Kragenweite?“

Ich: „War es noch nie. In der Schule gehörte ich zu den Turnbeutelvergessern.“

Andrej: „Ich liebe es, mich körperlich zu betätigen.“

Ich: „Dachte ich mir schon.“

Andrej: „Ich bin schon gespannt auf deine Fragen.“

Ich: „Ein eleganter Hinweis, dass ich jetzt anfangen soll?“

Andrej: „Sorry, aber ich muss noch trainieren und in zwei Stunden möchte Sascha zum Einkaufen gefahren werden.“

Ich: „Bevor du dich auf Pierre eingelassen hast, hast du ihn sehr auf Abstand gehalten. Weshalb war das so?“

Andrej: „Na du stellst aber persönliche Fragen.“

Ich: „Sorry, ich bin bloß neugierig. Ich kann dir auch meine Standardfragen stellen.“

Andrej: „Nein, ist schon in Ordnung! Pierre ist mein erster fester Freund. Vorher ist mir nie in den Sinn gekommen, jemanden so nahe an mich heranzulassen. Ich bin einer der Leibwächter von zwei sehr gefährdeten Personen. Wahrscheinlich wollte ich Pierre nicht zumuten, um mich zu trauern, sollte ich erschossen werden. Außerdem müssen wir in der Öffentlichkeit vorsichtig sein. Jemand könnte auf die Idee kommen, ihn als Druckmittel gegen mich einzusetzen.“

Ich: „Was natürlich nicht klappen würde, weil …“

Andrej legt mir einen seiner Finger auf den Mund und ich verstumme. „Eben drum.“

Ich: „Weiß Pierre, dass …?“

Andrej: „Dass der Clan alles tun würde, um ihn zu retten, ich selbst aber keinen Finger für ihn rühren dürfte, um meine Familie nicht zu gefährden? Ja, ich habe es ihm gesagt und er bleibt trotzdem bei mir.“

Ich: „Findest du diese Regel nicht unmenschlich?“

Andrej: „Du bist die Autorin, du hast sie eingeführt.“

Ich: „Eigentlich war es Jegors Vater und dem hat es seine Frau eingeflüstert.“

Andrej: „Ja, Frauen können noch grausamer als Männer sein. Um deine Frage zu beantworten: Meine Eltern hätten sich vom Clan lösen können, als sie nach Frankreich umsiedelten. Stattdessen nahmen sie Jegors Geld und später Dimitris, um sich im Westen ihre Restaurantkette aufzubauen. Sie kannten die Regel. Ich bin also mit der Gewissheit aufgewachsen, dass die Regel zu unserem Leben gehört. Der Boss kümmert sich um dich. Aber verrätst du ihn oder seine Familie, zahlen die, die du liebst, den Preis mit ihrem Leben.“

Ein Schauder durchläuft mich und Andrej lacht. „Jetzt gruselst du dich vor deiner eigenen Fantasie.“

Ich gebe zu: „Ein bisschen.“

Ich nippe an meinem Eistee. „Eigentlich hast du gerade indirekt zugegeben, dass du Pierre liebst.“

Andrej zuckt etwas unbehaglich mit den Schultern, steht auf, geht an den Kühlschrank und nimmt ein großes Weckglas heraus. In einer Lake schwimmen gekochte Eier. Er angelt zwei heraus und legt sie auf einen Teller.

Andrej: „Möchtest du auch ein Solei?“

Ich: „Klar! Ich dachte, die werden mit Schale eingelegt.“

Andrej: „In meiner Familie legen wir sie ohne Schale ein.“

Das Solei schmeckt super. Ich stamme aus Berlin und mag deshalb solche Art von Essen.

Ich: „Eine Frage ist noch offen …“

Andrej seufzt und nickt mir zu.

Ich: „Hast du es jemals bereut, Dimitri den Bärenschwur geleistet zu haben?“

Andrej: „Niemals!“

Ich ziehe die Brauen hoch, weil ich mehr wissen möchte.

Andrej: „Du bist vielleicht eine neugierige Person.“

Ich: „Berufskrankheit von Autoren.“

Andrej: „Wäre ich in einem früheren Jahrhundert in Japan geboren worden, wäre ich wahrscheinlich Samurai geworden. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben auch Spartaner oder in der Leibgarde eines römischen Senators. Verstehst du, was ich meine?“

Ich: „Es steckt dir im Blut!“

Andrej: „Eben!“

Ich lasse mir noch das Rezept für die Soleier geben, dann muss Andrej an die Geräte zurück.

Datenblatt:

  • Name: Hemlin, Andrej
  • Alter: 30 (in: Der Kostja-Clan – Teil 1)
  • Reihe: Popstar-Reihe
  • Erscheinungsbild: Muskulös
  • Besonderheit:
    Ist mehr Franzose als Russe, redet aber gerne mit einem russischen Akzent, wenn er im Dienst ist.
  • Familie:
    Eltern: Leben noch
    Geschwister:
    4 Brüder, alle arbeiten an verschiedenen Orten als Köche für Dimitri.

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[Hüpf]

Andrej sollte wie seine vier Brüder eine Ausbildung zum Koch absolvieren, interessiert sich aber mehr für Kampfsport (insbesondere Savate). Deshalb schleicht er sich auf der mallorquinischen Finca von Dimitri regelmäßig in das Training der Matunus-Rekruten ein, bis der Ausbilder Jaume ihn schließlich offiziell ins Programm aufnimmt.

Seine Eltern reden nicht mehr mit ihm, als er sich für das persönliche Sicherheitsteam von Dimitri bewirbt und angenommen wird, weil sie wissen, was es bedeutet, einer der Gardisten zu sein. Andrejs Vater überredet Dimitri schließlich dazu, Andrej nicht den Bärenschwur abzunehmen, der diesen noch enger an Dimitri bindet. Aus Trotz und Wut verpflichtet sich Andrej zum 1er RPIMa, dem 1. Fallschirmjäger-Regiment der französischen Marineinfanterie. Dort dient er mehrere Jahre, bis er sich bei einem Auslandseinsatz eine schwere Herzentzündung zuzieht, die ihn für Monate außer Gefecht setzt. Aus medizinischen Gründen entlässt ihn das Militär. Auf der mallorquinischen Finca wird Andrej wieder aufgepäppelt, wo einer seiner Brüder sich um ihn kümmert.

Mit eiserner Willenskraft gelingt es Andrej, seine frühere Kondition zurückzugewinnen. Er wird erneut in Dimitris Gardistenteam aufgenommen und darf endlich den Eid leisten. Das Verhältnis zu seinen Eltern bleibt angespannt und wird noch komplizierter, als er eine Beziehung mit Pierre beginnt, dem persönlichen Krankenpfleger von Dimitri. Mit seinen Brüdern versteht Andrej sich dagegen gut.

 

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